Warum ich Ukulele spiele?

Ein Schnäppchen, Dr. Claudia und die Folgen

Ich war nie ein Fan von Stefan Raab, Götz Alsmann oder Israel Kaʻanoʻi Kamakawiwoʻole („Somewhere Over The Rainbow“). Nein, meine erste Ukulele kam eher zufällig zu mir.

Irgendwann haben wir mal unserem Gitarristen eine Ukulele geschenkt, weil er kurz vorher seine Akustik-Gitarre verkauft hatte bzw. verkaufen musst. Ein Spielzeug für 20 Euro, das quasi unmöglich zu stimmen war. Auch mein Erstinstrument war ein ausgesprochenes Schnäppchen im Ausverkauf eines (leider nicht mehr existenten) Musikgeschäfts in Hamm. Für 35 Euro wechselte eine „Rosedale“-Konzert-Ukulele an diesem Abend den Besitzer. Heute würde ich niemandem raten, sich so ein günstiges Instrument zuzulegen.

5 Ukulelen;: 3 Sopran, 1 Tenor, 1 Bariton

Es heißt nicht umsonst „wer billig kauft, kauft zweimal“. Außerdem macht ein schlecht klingendes Instrument, das sich ständig verstimmt, einfach keinen Spaß – und daher Anfängern nicht gerade Lust auf mehr, – aber das war einfach einfach nur ein stark reduziertes No Name Produkt, die „Hausmarke“ des Ladens und kein Ramsch.

Schattendasein einer Ukulele

Manchmal hat man halt Glück. Zunächst führte sie ein Schattendasein in meiner Instrumentensammlung, zwischen Gitarren, Waldzither und ein paar anderen Dingen, die rappeln und scheppern. Mein erstes Stück, das ich darauf spielen konnte, war übrigens „Let it snow“. Ansonsten holte ich sie eher gelegentlich raus, spielte ein paar Akkorde und packte sie wieder in die Ecke.

Und dann kam Dr. Claudia: In einem Hammer Kunst-Café hatte ich meinen ersten eigenen Song für Ukulele präsentiert. Ein Liedchen darüber, das es nicht die ganze Zeit regnen kann. Ein quasi-therapeutisches Werk, das mich mit ein paar Akkorden aus einer kurzfristige Sinnkrise heraus geholfen hatte (dass sie kurz war, verdankte ich diesem Liedchen – und der Ukulele). Claudia kam etwas später, und beim Rausgehen fiel ihr erster Blick auf meine Tasche. Ihr kumpelhaft-lästerliches „Was’n das? ’ne Kindergitarre?!“ musste knapp an meinem Humorzentrum vorbei geschrammt sein. Meine Reaktion fiel jedenfalls eher verhalten aus.

Entschuldigung mit Konsequenzen

Andererseits: Ich war derlei Reaktionen auf meine Ukulele schon gewohnt, daher hatte zumindest ich diesen Vorfall schnell vergessen. Doch Claudia plagte wohl das schlechte Gewissen.

Zeitungsausschnitt DIE ZEIT über die Ukulele

Kurz darauf erschien nämlich ein doppelseitiger Artikel in der ZEIT. Die Autorin schilderte darin ihre Erlebnissen mit der Ukulele auf Bali, schrieb von Begegnungen mit Menschen, die auf einmal völlig anders verliefen als zuvor und tröstenden Klängen in Zeiten der Einsamkeit südostasiatischer Großstädte.

Diagnose: Moderates U.A.S.

Claudia ließ sie mir eben jenen Zeitungsausschnitt zukommen. Quasi als Wiedergutmachung. Mit nachhaltigem Erfolg. Meine Neugier auf alles, was mir dieses vielseitige kleine Ding bescheren könnte, war geweckt… Mittlerweile nenne ich 6 (sic!) Instrumente mein Eigen. Eine moderate Form dessen, was Experten als U.A.S („Ukulele Acquisition Sydrom“, dt.: Ukulele Sammel-Syndrom) bezeichen. George Harrison fuhr übrigens immer einen ganzen Kofferraum Ukulelen spazieren. Zum einen konnte er es sich leisten, zum anderen meinte er, dass es immer einen Anlass gäbe, zu dem es einen Ukulele bräuchte.

Ole mit Ukulele im Café


Dabei handelt sich neben meiner Erst-Anschaffung sowie einer Bariton von Lanikai und meiner „guten“ (einer Tenor-Ukulele mit Tonabnehmer und „Low G“-Stimmung) um drei günstige, aber durchaus okaye Sopran-Ukulelen, die ich hauptsächlich als Leihinstrumente für Schüler angeschafft habe.

Also: Ich bin gerüstet. Jetzt kommt Ihr!